Prävention für ein gesünderes Altern

Bei der Prävention über die Grenzen blicken

In vielen Ländern profitieren ältere Menschen bereits von interessanten Ansätzen für den Erhalt ihrer Gesundheit. Im Auftrag von Gesundheitsförderung Schweiz hat sich die ZHAW-Forschungsstelle Gesundheitswissenschaften im Ausland umgesehen.

In Rom stehen älteren Menschen 50 kostenlose Taxis zur Verfügung. Das Angebot entstand, nachdem Bewohnerinnen und Bewohner von Altersheimen die Stadt unter dem Aspekt der Altersfreundlichkeit unter die Lupe genommen hatten. Sie hielten diverse bauliche Mängel fest wie etwa hohe Trottoirs, Löcher in den Belägen, chaotische Parkplätze, unpünktliche öffentliche Verkehrsmittel sowie zu wenige und schmutzige Toiletten. Die Beanstandungen wurden der Stadtregierung übergeben.

Nicht nur das Verhalten, auch die Verhältnisse ändern
Die Erhebung fand im Rahmen von Mobility Scouts statt. Das EU-Forschungsprojekt zielt darauf ab, Seniorinnen und Senioren als Experten beizuziehen, um ihre eigene Umgebung besser an ihre Bedürfnisse anzupassen. Mobility Scouts wird bereits in diversen Ländern in verschiedenen Formen umgesetzt. Es ist eines von 78 Projekten, welche Forschende am ZHAW-Institut für Gesundheitswissenschaften im Auftrag der Stiftung Gesundheitsförderung Schweiz zusammengetragen hat.

Die inzwischen abgeschlossene Recherche zielte darauf ab, interessante Projekte zu identifizieren, die auf schweizerische Verhältnisse adaptiert werden können, um das Angebot für ältere Menschen zu stärken. Bei der Auswahl habe man speziell darauf geachtet, dass sie nicht nur auf eine Verhaltensänderung abzielen, sondern auch auf eine Verbesserung der Verhältnisse. «Das ist zwar häufig schwieriger umzusetzen, aber auch nachhaltiger und wirksamer», erklärt Projektleiter Frank Wieber.

Betroffene werden selber aktiv
Am Projekt Mobility Scouts gefallen dem Professor für Public Health besonders der partizipative Ansatz und das Empowerment betroffener Bevölkerungsgruppen, die zugleich als Multiplikatoren dienen. Die Aktionen können sowohl auf körperlicher als auch auf psychischer und sozialer Ebene einen Nutzen bringen. In der niederländischen Stadt Zutphen zum Beispiel sind Kaffeetreffen in privaten Wohnzimmern entstanden, bei denen sich Nachbarn untereinander austauschen. Und im litauischen Kaunas traten ältere Menschen mit Buschauffeuren in Kontakt, um ihnen ihre Schwierigkeiten mit Fahrplänen, Wartehäuschen, Sicherheit und Informationen mitzuteilen.

Ein weiteres Projekt, das den Gesundheitswissenschaftler beeindruckt hat, ist das an der irländischen Universität Cork entwickelte Programm Lifematters. Dabei erhalten Seniorinnen und Senioren ein Einzel- oder Gruppencoaching, um ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden zu verbessern. Die individuellen Bedürfnisse werden vorgängig durch ein Assessment eruiert. Es stehen geeignete Materialien zur Verfügung, um Themen wie Ernährung, Bewegung oder Beziehungspflege zu vermitteln. Das Projekt basiert auf dem vielversprechenden Ansatz der Salutogenese. Dabei geht es darum, die Gesundheit zu fördern, statt zu versuchen, Krankheit zu verhindern.

«Ein internationaler Blickwinkel trägt zur Professionalisierung der Gesundheitsförderung bei.»

Die in einer Datenbank zusammengetragenen Projekte würden immer wieder als Grundlage dienen, um einzelne innovative Aspekte in Schweizer Präventionsprogramme zu integrieren, sagt Frank Wieber. Zum Beispiel wurden beim StoppSturz-Projekt, das von Gesundheitsförderung Schweiz unterstützt wird, Ideen aus dem amerikanischen Programm Steadi aufgenommen, das Ärztinnen und Ärzten einen Leitfaden zur Abklärung des Sturzrisikos zur Verfügung stellt. Bis anhin habe die Auftraggeberin zwar keines der skizzierten Projekte eins zu eins übernommen, sagt Frank Wieber. «Doch ein internationaler Blickwinkel trägt zur besseren Wirksamkeit und Professionalisierung der Gesundheitsförderung bei.»


Recherche zu internationalen Gesundheitsförderungs- und Präventionsprojekten für ältere Menschen

Projektleitung
Prof. Dr. Frank Wieber (Forschung und Entwicklung, ZHAW-Institut für Gesundheitswissenschaften)

Stellv. Projektleitung
René Schaffert (Forschung und Entwicklung, ZHAW-Institut für Gesundheitswissenschaften)

Projektteam
Sonja Feer (Forschung und Entwicklung, ZHAW-Institut für Gesundheitswissenschaften)

Finanzierung
Gesundheitsförderung Schweiz